9. Ivenacker Eichenlauf

Nagetier mit angeschnallten Kilometerschildern. Am Vortrag extra noch 'schick' gemacht.

Pünktlich zum letzten Augustwochenende stand – wie in den letzten zwei Blogartikeln schon angekündigt – der 9. Ivenacker Eichenlauf auf dem Programm. 6.30 Uhr ging’s aus den Federn und eine Stunde später war das Frühstück verputzt. So halb-dreiviertel 9 machte sich Nagetier (diesmal ohne Landschaftslitzer) mit den Kilometerschildern auf die Piste, damit alle Läufer später ihre Uhren piepen lassen oder zumindest an entsprechender Stelle einen prüfenden Blick auf den Armwecker werfen können.

Gegen neun zuckelte ich mit @corinnarennt in Richtung Waldstadion. Die Autofahrt dauert keine viertel Stunde. Wir waren erstmal verdutzt, dass schon so viele Autos dort parkten – bis sich herausstellte, dass im Stadion auch eine Jugendmannschaft Fußball spielte. Die Anmeldung war trotzdem – im Vergleich zum Vorjahr – schon kräftig im Gange.

Ab 9.20 Uhr beginnt das übliche Prozedere: Schuhe wechseln – Laufjacke an – lange Hose aus – Brustgurt umschnallen – vielleicht noch ein Toilettengang und dann (30 Minuten vor’m Start) beginnt die Erwärmung. Die sieht meist so aus: 5 Minuten lockeres Lauf-ABC, dann noch 10 Minuten langsamen einlaufen, 3 sachte, kurze Steigerungen, und dann auf jeden Fall nochmal die Toilette aufsuchen (bekanntlich ist das meist schwierig, da viele “zur letzten Sicherheit” nochmal gehen ;-) ).

Am Start unterhielten sich die beiden späteren Erstplazierten Jürgen Timm und Tino Borchert links vor mir über die “großen Marathons” in London, Boston und New York… Zu weit hinten stand ich also schon mal nicht ;-) Bei einem Läuferfeld von 69 Startern hielt ich das allerdings für weniger problematisch.

Ohren zu halten (ein Schütze lässt es ordentlich krachen) oder lieber die Uhr starten?

Auf geht's! (rechts oben im Bild der Rauch vom Schuss)

Am ersten Kilometer.

10 Uhr fiel dann also der Startschuss. Noch ein Wort zu meiner Zielsetzung: Ein konkretes Zeitziel in Minuten hatte ich mir ja nicht gegeben. Der Eichenlauf ist keine Asphaltpiste, hat Waldstücke, schmale Naturpfade, einmal 500 Meter guten Asphalt, auch groben Betum. Durchwachsen also – ich konnte mir deshalb keine Zeit aus den Tempodauerläufen, die ich gemacht hatte, ausrechnen. Am Morgen fühlte ich allerdings “Spannung” in den Waden. Ich hatte das schon öfter mal. Keine Ahnung, ob das einfach Aufregung ist, oder ob ich einfach heiß auf das Rennen gewesen bin.

Vorbei an den Ivenacker Eichen.

Der erste Kilometer war für meine Verhältnisse mit 4:22 min. etwas zu fix. Ich fühlte mich erstmal gut und versuchte, ein ‘wohliges’ (angenehm-hartes) Tempo zu finden. Der zweite Kilometer blieb mit 4:20 min. immer noch auf Sub45-Kurs, den ich eigentlich nicht wirklich für möglich hielt. Ich horchte ein bisschen in mich und wollte sehen, wie es so weiterläuft. Ich hoffte, mich dann auf eine Pace etwas über 4:30 min/km, vielleicht so 4:35 min/km, einzupegeln. Die Kilometerschilder für den 3. und 4. Kilometer standen, glaube ich, nicht ganz so exakt, durchschnittlich lief ich die Kilometer in 4:36 min/km. Einen wirklichen Mitläufer oder Gleichschnellen hatte ich bis dahin nicht. Auf der Asphaltstraße nach Ivenack, bei der man ein Stück weit geradeaus läuft, konnte ich aber ein Männerfeld erkennen, an das ich mich, als es auf den Pfad um den Ivenacker See ging, nach und nach heranlaufen konnte. Wie ich aus der Vergangenheit gut wusste (die Seerunde bin ich früher sehr, sehr… oft im Training gelaufen), werden die Beine direkt am See erwas mehr beansprucht. Der Untergrund ist nicht ganz eben, der Weg manchmal etwas knorkelig, jedoch trotzdem fest. Der 5. Kilometer war noch ganz in Ordnung, allerdings schon langsamer: 4:39 min.  Ab Kilometer 5,5 pustete der Wind auch kräftig und ich schloss entgültig auf. Den ersten überholte ich an der Kuhwiese, kurz vor dem 7. Kilometer, wo es etwas ‘hinaufhügelt’. Der 6. und 7. Kilometer waren dann schon wieder ein Stückchen langsamer: 4:43 Minuten. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, ich muss beißen, eine 47er Zeit wäre nicht wirklich akzeptabel.

Als es wieder ins Gehege ging, holte ich einen weiteren Läufer ein, der sich mir an die Fersen heftete. Das tat gut, jemanden im Nacken zu haben – Dank an Ralf Knebler! Der neunte Kilometer wurde damit wieder schneller (4:36 min/km) und ich konnte mich nochmal motivieren. Ich glaube, es tut mir gut, das Gefühl zu haben, jemanden “ziehen” zu können.

Der Zieleinlauf wird traditionell von einem Gesichtselfmeter und dem Stoppuhr-drücken begleitet.

Der finale Kilometer ist die ersten 500 Meter nicht ganz einfach, da es nochmal einen kleinen, sehr langgezogenen Hügel hinaufgeht. Von dort an zog mich der vormals Überholte dann – bis ins Ziel. Die letzten 500 Meter sind hingegen eine Tempospritze – grober Asphalt (oder wie sich solcher Untergrund schimpft) und leicht bergab, noch eine Gerade, die sich ewig zieht , eine Biegung und der Zieleinlauf: 46:09 Minuten(ø 4:37 min/km)!  Geschafft! Der letzte Kilometer ist länger, als all die anderen, da noch das kurze Stück zum Zieleinlauf ins Waldstadion hinzukommt. Meine Polar maß 50 Meter mehr als bei den anderen Kilometern – und ich kann (trotz des Hügels) auch nicht glauben 4:50 min/km gelaufen zu sein – denn ich habe schließlich geschlussspurtet!

Weibliche Beteiligung, die sich etwa in meinem oder einem besseren Leistungsniveau befand als ich, war leider (wieder) nicht vorhanden :-( Für mich bedeutete das den dritten Sieg in Folge. Ich hatte gehofft, es würden – wie 2007 – ein paar flotte Damen teilnehmen, die mich ein bisschen anstacheln könnten (die waren in Bützow). Die zweite Frau kam aber erst bei 54:25 Minuten ins Ziel. Witzigerweise ist Ulrike Höllwarth auch eine Jenaer Studentin, deren Eltern in Mecklenburg-Vorpommern wohnen – wir kannten uns vorher jedoch nicht.

Wem auch immer ich die Urkunde da zeige... Ulrike Höllwarth und ich bei der Siegerehrung. Links die Organisatorin Ingrid Greiner.

Es muss am langgezogenen Schlussanstieg bei fast völliger Erschöpfung, an irgendeinem Geruch dort oder woran auch immer liegen, denn ein paar hundert Meter vor dem und im Ziel ist es mir die letzten drei Mal passiert, dass sich mein Mageninneres nach draußen zu katapultieren versuchte (diesmal konnte ich es erfolgreich abwehren :-) ). Das passiert mir aber wirklich NUR beim Eichenlauf!? Sehr merkwürdig. Magenprobleme habe ich sonst nicht.

Als ich dann wieder einigermaßen verpustet hatte, war ich über die Zeit doch positiv überrascht. Ich hatte zwischendurch nicht auf die Endzeit umgesschalten und nur so grob überschlagen, dass ich etwas langsameres erwartet hatte! Das ergibt eine neue persönliche Streckenbestzeit mit einer Zeitverbesserung von 2:10 Minuten. Das Ziel “deutlich drunter zu liegen” war damit erfüllt. Das heimliche Ziel von einer neuen Bestzeit (meine offizielle Bestzeit liegt bei 46:05 Minuten (Dresden Marathon 2010), die inoffizielle aus dem Training – mit unsicherer Abmessung – bei 45:56 Minuten) habe ich knapp verpasst.

Mein Siegerschuh.

Da die Eichenlaufstrecke keinesfalls kürzer, aber auch nicht DLV-vermessen und der Untergrund auch schwieriger als in Dresden ist und ich außerdem nicht wirklich weiß, wieviel länger sie ist, denke ich darüber nicht weiter nach und verbuche diesen Testwettkampf als Erfolg :-) .

Die Renneinteilung mit dem zu flotten Start und der fehlenden Tempohärte nach hinten heraus (bzw. eigentlich war es ja eher ein Zwischenhänger, bei dem der Untergrund meines Erachtens nur zu 50% mit reinspielt) zeigen mir, woran ich noch arbeiten muss. Bis Dresden habe ich dafür jetzt noch 8 Wochen Zeit.

6 Antworten auf diesen Artikel.

  1. Veröffentlicht von Padaphant am 31. August 2011 um 10:33

    Glückwunsch zum Siegerschuh! :)

    Kommentar

  2. Veröffentlicht von Nagetier am 31. August 2011 um 16:42

    Natürlich war km 3 infolge unklarer, endgültiger Streckenführung etwas zu kurz (30m). Aber das motiviert doch zusätzlich? ;-) Die 10km-Runde ist bis zur letzten Kurve Rad und Laufrad vermessen und beträgt exakt 10km. Kann also als exakt eingestuft werden. Das letzte Teilstück ist Zugabe, um das Durchlaufen des Torbogens vom Waldstadion zu ermöglichen. Ich brauchte bei ner 43:07 dafür 12 Sekunden.
    Ansonsten natürlich Glückwunsch zur neuen Hammerzeit. Ist schon beeindruckend, wenn eine Frau unter den Männern läuft, denn mein Eindruck beim km 2,7 (Fotopoint) war: Männer…Männer…Anne…Männer…Männer…Frau…Männer…Frauen.
    Hoffentlich gibts bald mal echte Frauenkonkurrenz. Das beflügelt mit Sicherheit zusätzlich.
    Sicher lassen wir es im kommenden Jahr, zum 10. Jubiläum, alle mal richtig krachen. Vielleicht findet sich dann mal ein Freiwilliger für Schild und Fotoapparat. Ne neue 10-er PB auf unserer Hausstrecke wäre schon mal was.

    Kommentar

    • Veröffentlicht von juliregen am 2. September 2011 um 15:15

      Danke für die Glückwünsche!
      Ich glaube, ich hatte bei einem Testlauf mal so 14 Sekunden für das letzte Teilstück gebraucht (bei ‘ner 48er Zeit insgesamt). Wenn man also von mindesten 12 Sekunden ausgeht, die ich gebraucht hätte, wäre es ‘ne sehenswerte 10er Zeit (die es für mich mit 46:09 min. aber auch schon ist).
      Großes Lob für deine Fotoarbeit in diesem Jahr – die Schmach vom letzten Jahr ist wettgemacht :-) Wie man mit sovielen Schildern am Rad fährt, weiß ich nicht, aber das war ebenfalls klasse. Du warst als Schilder- und Fotoverantwortlicher quasi der 2-in-1-Allrounder in diesem Jahr ;-) .

      Kommentar

  3. Veröffentlicht von Grit am 6. September 2011 um 13:29

    Super gelaufen! Herzlichen Glückwunsch zur Hammerzeit…das lässt ja hoffen auf weitere Topresultate. Ich werde mal nächstes Jahr ganz doll drauf achten, damit ich den Lauf nicht verpasse und auch beim Jubiläum dabei sein kann. Die Bützower Strecke ist nun wahrlich nicht der Knüller gewesen…
    Bist du zum Studieren in Jena oder richtig ausgewandert? Schon lustig – ich war auch gerade dort und habe meine Sis besucht, die an der FH studiert.
    Viel Spaß beim Training & liebe Grüße aus HGWaii

    Kommentar

    • Veröffentlicht von juliregen am 8. September 2011 um 07:25

      Dankeschön!
      Das wäre toll, wenn du nächstes Jahr mit dabei bist!
      Ich bin zum Studieren nach Jena gekommen, wohne aber mittlerweile “fest” hier und komme im Grunde nur nach Stavenhagen, wenn irgendwelche besonderen Ereignisse anstehen oder ich meine Eltern besuchen möchte.
      Dir ganz viel Erfolg bei der finalen Vorbereitung auf den Berlin Marathon!

      Kommentar

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