Es sollte ein unkomplizierter Ausflug nach Weimar werden, um am alljährlichen Stadtlauf im Rahmen des Zwiebelmarktes teilzunehmen. Doch es kam alles ganz anders…
So, jetzt noch die letzten zwei Steigerungen machen, dann geht’s in den Startbereich. Was denn nun? Wieso wird schon runtergezählt? “Zehn, neun…” – Jetzt schon? Von Kinderläufen gegen 13:00 Uhr hab ich doch gar nichts gelesen. “fünf, vier” – Häh? – “zwei, eins” …
Und der Startschuss fällt. Der Moderator wünscht den Loslaufenden noch viel Spaß; ich drehe mich nur zu Landschaftsflitzer um und frage “Ist der Start schon 13 Uhr?” Was war passiert?
Die Halbmarathonis sollten fünf Minuten vor uns starten. Heißt das jetzt: Von Erwärmung bis Start bleiben keine 5 Minuten mehr? Ich sehe doch noch etliche anstehen, die über den abgetrennten Kanal in die Startblöcke gelangen wollen!
Schleunigst begaben auch wir uns dorthin. Als es um die Kurve ging, bekam ich Panik und versuchte hektisch einen Blick auf die Zeittafeln zu erhaschen.
Keine Ahnung, was da angezeigt wird. Einmal die Zeit der eben gestarteten – das ist klar – und das andere? Was erzählt der Moderator da? Die letzten würden gerade noch bis nach ganz hinten gehen? Wie jetzt? Ich will doch nicht nach ganz hinten!!! Die regionale Elite steht hier schon heiß an der Startlinie – und wir dümpeln noch im Kanal umher.
Landschaftsflitzer und ich erkundigten uns kurz bei einem aus dem ersten Startblock, ob die Halbmarathonis eben gestartet sind, und ob die Absperrbänder für die Blöcke schon weg seien. So genau wusste unser ‘Informant’ das nicht. Er sagte mir, ich solle mich einfach reinstellen. Also rüber’gehoppst’. Schnell noch die Jacke aus und an die Absperrung geknotet. Jetzt noch weiter nach rechts – die erste ist eine enge Rechtskurve.
Landschaftsflitzer so: “Ist deine Uhr an?” Schnell drücken, damit die Polar nach Fußsensor und Puls suchen kann. Das geht ja fix. “Hat die Garmin GPS?” Ach du Schande! Die braucht ja immer so ewig!
Der Startschuss fällt.
Hoffentlich stehe ich nicht zu weit hinten. Jetzt geht’s über die Startlinie. Jetzt bloß schnell das Feld mit dem richtigen Tempo finden!
Ab hier begann der Schlängellauf. Für Geschwindigkeiten hatte ich zunächst kein Auge. Das dichte Feld auf den ersten 500 Metern war nicht leicht zu überholen. Oft lief ich rechts dicht an Zuschauern und Absperrband vorbei, das an Eisenstangen befestigt war, die in den Rillen des Kopfsteinpflasters steckten.
Die Garmin zeigt ja immer noch den Suchfortschritt für die Satelitten an. Hat die nicht gestartet? Ich drücke mal nochmal drauf. Oh. Training gestoppt. Nee, nochmal drücken. Sie sucht weiter. Endlich geht es in den Park. Der Weg wird breiter. Einfach rechts vorbei oder mitten durch die Läufer. Sind das jetzt Halbmarathonis oder Läufer, die etwas zu weit vorne standen? Die Garmin piept. Oh neeeeein! Was ist denn das für ein Text? Irgendwas mit “Rundenspeicher” und “voll” oder sowas? Häh? Ich will die 500-Meter-Zwischenzeit wissen!
Das “Mitschleppen” der zweiten Uhr war wirklich umsonst. Sie zeichnete nicht rechtzeitig auf. Und die Zwischenzeiten gab sie auch nicht von sich. Überall ist der Weimarer Stadtlauf mit 10 Kilometern ausgeschrieben – nur im Streckenplan ist vermerkt, dass jede Runde 5,225 Kilometer lang ist. Ich wollte mit der Garmin gerne selbst messen. Na egal. So ging’s weiter:
Jetzt kommen gleich die Anstiege. Erst noch diese Wackelbrücke, dann die Berge hocharbeiten. Arbeiten, arbeiten, arbeiten.
Nach der ersten Runde zeigt die öffentliche Zeitnahme etwas von knapp über 24 Minuten an. Nach einem Versuch Wasser in meinen Mund zu buxieren (kläglich gescheitert und dabei auch noch den Kaugummi verloren!) schalte ich auf die Zeitanzeige meiner Uhr um und weiß nun erstmals, wie es eigentlich um meine Zeit bestellt ist.
Eine niedrige 23! Ich bin ja im Zeitplan! Und sogar gar nicht schlecht! Jetzt nur noch durchhalten. Was stehen die hier alle so unmotiviert herum?
Ich reiße die Arme auffordernd nach oben als es wieder bergab über das Kopfsteinpflaster geht und rufe “Kommt! Kommt!”. Nur eine Frau (danke! super!!!) weiß Bescheid, der Rest guckt nur fragend. Tssss… Zwiebelmarktgänger halt. Die Kilometer im Park sind eben und ich kann durch die Tempoanzeige meiner Polaruhr immer wieder das Tempo korrigieren ohne einzubrechen. Die zwei größeren Anstiege gehen jetzt nicht mehr so locker, aber das letzte ansteigende Kopfsteinpflasterstück am Ende ist irgendwas bei 500 oder 1000 Meter vor dem Ziel. Da gibt’s dann nur noch “hochkämpfen” oder “aufgeben”. Also: kämpfen, kämpfen, kämpfen! Und dann denke ich:
Endlich! Der Ballonstand ist zu sehen! Letztes Jahr hatte der einen Spongebob! Gleich kommt die Biege und die Zielgerade!
Was man so für Gedanken hat kurz vor dem Ziel!? Bis auf diese mit dem Spongebob kann ich mich an keine wirklich erinnern. Auf der Zielgeraden versuchte ich nochmal ordentlich Gummi zu geben – sofern das noch ging – und hätte fast den Abzweiger verpasst, denn wir (Fast-)Viertelmarathonis wurden zu einem separaten Zielbereich geleitet. Der Streckenposten faltete mich auch gleich ordentlich zusammen, aber ich bin dann doch noch links rüber… Die Anzeige hatte was bei 27 Minuten nochwas. Nach der ersten Runde hatte ich geguckt und wusste, ich bin ca. eine Minute schneller als angezeigt.
Ai jai jai. War das ein Gerenne! Fast unbegreiflich, dass ich meine Zeitvorstellung fast genau getroffen habe.
10-km-Zeit (nach Jack Daniels) bei einer 5-km-PB von 21:00 Minuten = 43:32 Minuten;
die Strecke ist 10,45 Kilometer lang, also: 45:37 Minuten;
dann noch die +/- 64 Höhenmeter mithilfe von Greifs Rechner beachtet = 46:44 Minuten.
Und wo komme ich raus? Bei 46:41 Minuten! Echt verrückt.
Danke wiedermal an Landschaftsflitzer für die tolle Unterstüztung! Wir waren allein mit Zug angereist und hatten Gepäckabholung und solchen Kram selbst zu organisieren. Man versorge mal eine Läuferin, die sich fühlt, wie von einem LKW überfahren
.
Eine offizielle 10-km-Zeit habe ich natürlich hier nicht erhalten. Was mir bleibt ist ein Schnitt von 4:28 min/km auf etwas mehr als 10 km. Und das macht mich verdammt glücklich.

Veröffentlicht von Nagetier am 11. Oktober 2011 um 18:53
Wenn einer eine Reise tut. Erinnert mich verdammt an unseren ersten Halbmarathon. 5 Minuten vorm Start noch schnell eingetroffen. Warmlaufen…Fehlanzeige…und Landschaftsflitzer gleich unter 1:30. Fast so gut, wie Du auf Deinem Viertelmarathon. Aber supi Zeit, gelernt ist eben gelernt. Glückwunsch und … In DD ein bissl eher zum Start gehen.
Veröffentlicht von juliregen am 12. Oktober 2011 um 10:19
Danke!
Ich wollte den Blog auch erst mit “Wenn einer eine Reise tut” beginnen, aber das wäre ja dann von dir abgekupfert…
In DD werd’ ich natürlich bedeutend eher da sein und auch nicht erst 15 Minuten vor Start mit der Erwärmung beginnen, aber ich hab eben voll verpeilt, dass schon 13:05 Uhr Start ist! Wie die Anfänger…
Veröffentlicht von marcus am 11. Oktober 2011 um 23:09
Toller Bericht. Glückwunsch zur Zeit! In DD gucke ich mir Dein Vorstartverhalten mal genauer an. Das bringt richtig Schwung + Drama in mir bekannte Volksläufe.
Veröffentlicht von juliregen am 12. Oktober 2011 um 10:22
Dankeschön
)
“Als was” wirst du in Dresden denn vor Ort sein? Zuschauer, Unterstützer, Läufer, Fotograf, …?
In Dresden möchte ich aber natürlich nicht soeine Dramatik in die Vorstartatmosphäre bringen!
Veröffentlicht von Supermario72 am 12. Oktober 2011 um 06:52
Meine Güte – da wird man ja beim Lesen schon ganz hektisch!
Wobei ich immer noch nicht verstanden habe, ob der Lauf nun zu früh gestartet wurde oder Ihr zu spät wart.
Aber wie auch immer – in jedem Fall ein tolles Ergebnis! Herzlichen Glückwunsch! Eine 4:28er-Pace auf über 10km – das muß man oder hier besser frau
erstmal auf den Asphalt bringen! Klasse!
Grüße aus Köln!
Mario
Veröffentlicht von juliregen am 12. Oktober 2011 um 10:36
Ich hab’ immer noch keine Ahnung, warum ich dachte, der Start wäre 13:15 Uhr. Ich habe nachträglich nochmal auf die Homepage geschaut und da stand es richtig: 13:00 Uhr Start der Halbmarathonis, 5 Minuten danach die 10er. Vielleicht stand es eine Woche vorher noch anders drin??? Oder ich hab’ mich wirklich total vertan.
Danke für deine Glückwünsche!