21. Powertriathlon Gera

Es war etwa auf der zweiten oder dritten Radrunde, als ich gerade ein absoultes Tief erreichte und absolut gar keine Lust mehr auf diesen Wettkampf hatte. Das Schwimmen war mau ausgefallen, in der Wechselzone widersetzte sich der Armling meinem Willen und nun fror ich an den Oberschenkeln.

Der Tag begann halb sechs, pünktlich sieben Uhr erreichten wir das Hofwiesenbad und eine halbe Stunde später durfte das Rad in den Wechselgarten zum Check-In. Sonnenschein, aber dennoch kalter Wind mit 15 km/h-Stärke veranlassten mich, Armlinge und Weste für den ersten Wechsel zu präparieren.

„Bahn 8“ – oder: „Maue Schwimmleistung“

Relativ schnell bekam ich mit, dass es nicht wie 2013 und 2014 separate Bahnen für Frauen gab, sondern alle Starter der ersten Welle bunt gemischt auf die Bahnen verteilt wurden. Über Bahn 8 (weitester Laufweg zur Wechselzone) war ich überhaupt nicht amused. Bei normalem Badebetrieb schwimmen hier die Omas – aber das sollte ziemlich gut zu meiner Schwimmleistung passen. Auf die Frage hin, wer wie schnell schwimmt, wurde eifrig herumgedruckst. Ich zögerte nicht, meine angepeilten 25 Minuten kund zu tun und konnte mich als erste einreihen.

Mit dem Startschuss begann ein Kopf-an-Kopf-Schwimmen auf den ersten 50 Metern. Mein Kontrahent machte keine Anstalten, sich in Vorbereitung auf die Wende ganz links einzuordnen. Ob ich nun Roll- oder Kippwende mache, entweder es knallt oder nicht. Und so nahm ich das Risiko in Kauf und machte durchweg Rollwende. Nach ein paar hundert Metern verschwand der Verfolger aus meinem Schwimmschatten und das Schwimmen stellte sich als Part ohne Störfaktoren heraus. Kein Gerangel, nichts. Nur die Arme brachten keine Pace ins Wasser. Das Wassergefühl war gut, meinte ich. Zwar musste ich die Pace ohne jeglichen Schwimmschatten ins Wasser bringen und 8.30 Uhr ist nicht meine Wunschzeit, wenn es um eine gute Schwimm-Tagesform geht, dennoch sind 25:12 Minuten exakt das, was ich vor 2 Jahren schon geschwommen bin.

„8 Runden“ – oder: Radfahren mit Frischekick

Mit Frust im Bauch ging es aus dem Hofwiesenbad an die frische (!) Luft. Ich entschied die bereits aufgekrempelten Armlinge über die Handgelenke zu stülpen, um sie dann auf dem Rad nach oben zu ziehen. Da ich bereits für den rechten Armling etliche Sekunden benötigte und mir dann bewusst wurde, dass links noch die Uhr am Handgelenk sitzt, zog ich den rechten wieder aus. Hätte ich vorher mal ausprobieren sollen. So entschied ich „ohne alles“ auf die Radstrecke zu gehen.

Dort wurde es kalt. Nicht der Oberkörper oder der Kopf waren das Problem, sondern die Oberschenkel. Der noch nasse Trisuit ließ den kalten Wind und Fahrtwind so richtig eisig wirken. Und wenn sich die Sonne nur für wenige Minuten hinter den vereinzelten Wolken verkrümelte, wurde es sofort kühl am ganzen Körper.

Auch sonst war mir der Radkurs nicht so unruhig in Erinnerung. Wirklich rund wollte es auf dem Rad nicht werden, die zahlreichen, relativ engen (insgesamt 16) Wendepunkte leisteten ihren Beitrag dazu – neben dem Schlenker mit weiteren engen Kurven, der auf jeder der acht Runden immer wieder eine Unterbrechung mit sich bringt. Etwas Schotter auf der Fahrbahn und ein paar Schlaglöcher, die ich bei zu wenig Konzentration gelegentlich mitnahm, förderten die Radfahrlust nicht wirklich.

Die Vorjahressiegerin Leila Künzel holte mich nach der ersten Radrunde ein – immerhin später als letztes Jahr. Allerdings hatte ich ihr da auch hervorragenden Schwimmschatten geboten. Sie fuhr einen sehr dicken Gang. Am Ende stand sie mit einem DNF in der Ergebnisliste und war wohl noch während des Radparts ausgestiegen. Indes kam auch bald Vorjahreszweite Katrin Puth vorbei. Auf die stark schwimmende Alexandra Vogel konnte ich hingegen Runde für Runde ein paar Meter gutmachen.

Nach etwa der Hälfte des Kurses wurde ich so langsam warm, ein rundes Fahrgefühl wollte trotzdem nicht aufkommen. Als ich nach einer Stunde feststellte, dass der Paceschnitt nur bei knapp über 32 km/h lag, machte sich erneut Ernüchterung breit. Da hatte ich mir doch mehr erhofft. Allerdings verhagelte der Wind an den einigermaßen gut zu fahrenden Teilen auch etwas die Stimmung.

Die Ernüchterung bezüglich der Radleistung rührte auch daher, dass ich meine Laufform als weniger gut im Vergleich zum Vorjahr einschätzte – ganz anders als die Radform. Gerade nach dem Ergebnis beim Jenaer Duathlon gute 2 Wochen zuvor. Den Fokus auf die Radleistung zu legen, wie ich es vor hatte, ging damit nicht auf. Den Radauf- und -abstieg eingerechnet, schaffte ich den 32er Schnitt nicht zu halten, erreichte mit 31,8 km/h aber mein gesetztes „Okay“-Ziel (siehe Tabelle unten).

Auf der letzten Runde rief @LaFlitzer mir zu, dass Alexandra Vogel 1:30 Minuten vor mir lag.  Von den Vorjahres-Ergebnissen wusste ich, dass es möglich war, dies aufzuholen. Ein neuer Fokus war da.

„Der Knoten platzt“ oder: „Ende gut, alles gut“

Mit sehr kalten Füßen ging es auf die Laufstrecke, die insgesamt über 6 Runden durch den Hofwiesenpark führte – anfangs glaubte ich, den linken Schuh nicht richtig anzuhaben, das lag allerdings nur am Taubheitsgefühl. Die neue Strecke stellte sich als kurzweilig heraus. Mit drei Groupies an zwei verschiedenen Punkten der Strecke gehen 10 Kilometer allerdings auch schnell vorrüber. Die ersten 5 Kilometer gingen richtig gut und auf der zweiten Hälfte konnte ich die Pace weiterhin konstant unter 4:30er Pace halten. Es lief einfach. Keine Ahnung, wo ich diesen Lauf hergeholt habe. Vier Wochen zuvor war ich diese Pace bei einem reinen 10-km-Wettkampf gelaufen!

Auf fast jeder Runde griff ich nach einem Schwamm – sehr zur Verwunderung der Bodencrew, wie sich anschließend herausstellte.

„Du hast Schwämme genommen?“

„Ja, wieso?“

„Bei der Kälte?“

Ja, es war immer noch recht frisch. Zum Laufen allerdings ideal. Am zweiten Verpflegungspunkt nahm ich jeweils einen Becher Wasser. Mein Gel hatte ich in der Wechselzone vergessen, was zum Glück nicht weiter tragisch war.

Nach der fünften Runde wusste ich, dass ich definitiv unter der 45-Minuten-Marke bleiben würde. Dass Alexandra Vogel inzwischen sehr dicht vor mir war, spornte mich für die letzte Runde noch einmal an, einen Platz gut zu machen. Wichtig war mir eine gute Laufleistung, aber meine Groupies wollten mich eindeutig noch einen Platz weiter vorn sehen und gaben mir Runde für Runde sekundengenaue Abstände durch. Mir gelang es, an ihr vorbei zu ziehen und ich erreichte – versöhnt mit dem Wettkampf – sehr glücklich als vierte Frau das Ziel. Durch eine stärkere Starterin aus Welle 3 wurde es letztendlich Platz 5.

Hier ist meine Pace-Prognosen-Tabelle (zum Vergrößern anklicken), die ich in Vorbereitung auf den Wettkampf erstellt habe. Die tatsächlich erreichte Pace habe ich nachträglich als grau hinterlegte Kästchen ergänzt. Ich blieb sehr deutlich unter der 2:30-Stunden-Marke – allerdings war der Radkurs auch einen guten Kilometer zu kurz.

Zeitprognosen_ErgebnisTab.: Zielzeiten-Tabelle mit vier verschiedenen Pace-Zielen je Disziplin, von Top über Gut zu Okay und mit einem Minimalziel. Die Pace im grauen Kästchen gibt die erreichte Pace an.

Statistik

Gera_Splits

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s